Das Meilener Konzept der Systemischen Therapie als Begegnung

Das Meilener Konzept der systemischen Therapie als Begegnung stellt ein offenes Konzept dar, das die modernen, von der Systemtheorie und der Kybernetik abgeleiteten Theorien aufarbeitet und einbezieht (Borst 2013), in wesentlichen Punkten jedoch darüber hinausgeht. Wir schliessen an viel ältere philosophische Traditionen an und stellen das Fallverstehen in der Begegnung in den Mittelpunkt unseres Denkens (Welter-Enderlin & Hildenbrand 2004). Das bedeutet Erkennen von typischen Mustern einer problematischen Lebenspraxis von Individuen, Paaren und Familien als Ergebnis eines Prozesses, an dem die Therapeutin oder der Therapeut und die Klienten gemeinsam beteiligt sind und der das emotionale Engagement der Therapeuten einschliesst. Neuere Befunde der Bindungsforschung ergeben den theoretischen Hintergrund für die Herstellung einer sicheren affektiven Basis bei den Lernenden wie auch bei Klientinnen und Klienten (z.B. Grossmann & Grossmann 2008).

Wir sind der Auffassung, dass wirksame Therapie nicht in erster Linie von einem wissenschaftlichen Dogma oder von einer therapeutischen Schule abhängt, sondern von der gelungenen Begegnung zwischen Menschen im Rahmen einer therapeutischen Kunstlehre, die Wissenschaft und Erfahrung einschliesst.

Aufbauend auf dieser Grundhaltung praktizieren und lehren wir systemische Therapie, wie sie vom deutschen Wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie definiert (WBP, 2011) und als wissenschaftlich fundiert sowie nachweislich wirksam in der Behandlung einer Vielzahl von psychischen Störungen beschrieben wurde (von Sydow et al. 2007).