Systemische Selbsterfahrung: Familienrekonstruktion

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Daten

Sonntag 23.09.2018 Beginn um 13:00 Uhr
Montag 24.09.2018 ab 09:15 Uhr ev. Abendprogramm
Dienstag 25.09.2018 ab 09:15 Uhr ev. Abendprogramm
Mittwoch 26.09.2018

ab 09:15 Uhr, Abschluss ca. 13:00 Uhr

Dozentinnen

Rochelle Allebes, Sozialarbeiterin FH; Supervisorin und Organisationsberaterin BSO, Systemtherapeutin/beraterin SYSTEMIS.CH

Cornelia Schubert, Dipl. Psych..; Fachpsychologe für Psychotherapie FSP

Kurzbeschreibung

Welche Bedeutung hat die Biografiearbeit für die Entwicklung einer professionellen Haltung und für die Sicherung
der Qualität des eigenen therapeutischen Handelns?


Thema systemischer Selbsterfahrung sind die eigenen Muster der Weltauffassung und Sinnstrukturierung, welche
die gesamte Biografie, die über weite Strecken auch Familienbiografie ist, kennzeichnen. Die eigene Biografie ist
geprägt von spezifischen Zeitverhältnissen, Generationenlagen und Soziallagen. In ihrem Verlauf wurden
Wirklichkeitskonstruktionen entwickelt und tradiert, die für das alltägliche Handeln und Denken wie auch für die
professionelle Arbeit mit Individuen, Paaren und Familien einen Rahmen bilden. Diesen Rahmen zu reflektieren, ihn
also auf die Ebene des Bewusstseins zu heben und so zu vermeiden, dass er unbefragt aus dem Hintergrund die
fachliche Arbeit steuert, ist Aufgabe eines Prozesses, der mit der Biografiearbeit fachlich fundiert und befördert
werden soll.


Wir sehen den Rahmen, den die eigene Geschichte für das aktuelle Handeln als Alltagsmensch und als Therapeut
abgibt, vor allem unter dem Aspekt, dass in dieser Geschichte Ressourcen liegen für das Erkennen von
Bewältigungsmöglichkeiten aktueller Probleme. Diese Ressourcen auf aktuelle Problemlagen von Klientinnen und
Klienten unbefragt zu übertragen wäre jedoch unangemessen, weil die Kontexte von eigener Lebens- und
Familiengeschichte und jene von Klientinnen und Klienten unterschiedliche sind. Die lebensgeschichtlichen
Ressourcen haben den Status von Möglichkeiten und müssen einen Reflexionsprozess durchlaufen, um fruchtbar
zu werden. Eben dazu dient die Arbeit an der eigenen Geschichte.


Die Arbeit an der eigenen Geschichte stellt aber in gewisser Weise auch eine Zumutung dar. Eine zentrale Leistung
der Lebenspraxis besteht nämlich darin, dass sich der Alltag in einer Dialektik von unbefragtem Dahinleben und
Krisenbewältigung ereignet. Situationen, in denen der Alltag fragwürdig wird, erzeugen in der Regel partiale Krisen
beispielsweise im Bereich von Beruf, von Familie etc. Krisenbewältigung kann dann z.B. dadurch erfolgen, dass
problematische Handlungsmuster aus dem Impliziten in das Explizite gehoben werden. Das bedeutet, dass
Problemlösung durch Reflexivitätssteigerung herbeigeführt wird.

Auch in der Biografiearbeit werden individuelle Handlungsmuster, die routinemässig verfestigt sind und
Orientierung im Alltag ermöglichen, im Kontext der spezifischen Familiengeschichte explizit gemacht. Jedoch ist
der Anlass dafür keine Lebenskrise. Insofern stellt die Biografiearbeit eine Zumutung dar. Es wird ins Reflexive
gewendet, was ansonsten unhinterfragt von statten geht.


Angesichts dieser «Zumutung» ist es wichtig, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unbefangen, das
heisst ohne voreilige Einordnung in vertraute Schemata, eine präsentierte Geschichte anhören und dass sich die
Geschichte ohne Zeitdruck entwickeln kann. Des weiteren ist wichtig, dass Brüche in der Lebens- bzw.
Familiengeschichte genommen werden, wie sie sind, ohne dass gleich nach Lösungen gesucht wird.


Zum Ablauf


Sie erhalten von uns einen Leitfaden, anhand dessen Sie sich mit ihrer eigenen Geschichte und ihrer
Familiengeschichte auseinandersetzen. Ausserdem erstellen Sie vorab das eigene Genogramm. In den Kurstagen
stellen alle Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer die Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit der eigenen Biografie
ihrer Kleingruppe vor, wofür sie je einen halben Tag zur Verfügung haben. Die Arbeit in den Kleingruppen beginnt
mit einem Austausch der Erfahrungen mit dem Fragebogen, mit der Sammlung von Schwerpunkten und der
anschliessenden Vorstellung der Ergebnisse der eigenen Biografiearbeit in der Kleingruppe. Diese Arbeit wird
umso lebendiger, je mehr Material die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbereitet und damit die Anregungen im
Fragebogen aufgenommen haben.


Besonders eindrücklich sind dabei die Schilderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Begegnungen mit
und Fragen an Angehörige, welche neues Licht auf die Beziehungen zu ihnen geworfen haben. Während unser
Fragebogen ein weites Spektrum an möglichen Themen abdeckt, ergeben sich in der Kurswoche folgende
typische Themenschwerpunkte: Abhängigkeit und Autonomie; Entwicklung in der Familie und Dysfunktionalität
von Familienmitgliedern; Kommunikation innerhalb der Familie; Grenzen innen und aussen; biografische Abbrüche
in der Familie; Fluchttendenzen, fehlende Kontinuität, unreflektiertes Wiederholen von Familientraditionen und
Familienmustern; Reproduktion von Familienthemen auf jeweils anderen Stufen.


Während dieses halben Tages schliesst sich (im Idealfall) an die Vorstellung der eigenen und der Familienbiografie
eine Fallsupervision an. Denn wir legen Wert darauf, dass die Rekonstruktion der eigenen Biografie, ihrer
Deutungsmöglichkeiten und ihrer Zukunftsperspektiven nicht als Selbstzweck, sondern in Bezug auf die eigene
therapeutische Arbeit erfolgt.


Folgende drei Themen bilden den Rahmen für diesen Teil der Biografiearbeit:

  • Warum habe ich diesen Fall ausgewählt?
  • Welchen Zusammenhang zwischen dem ausgewählten Fall und den eigenen biografischen Themen kann die Gruppe erkennen (a) in Bezug auf Ressourcen, (b) in Bezug auf blinde Flecken der eigenen Biografie?
  • Wie kann ich künftig - bezogen auf Ressourcen und blinde Flecken - mit ähnlichen Fällen arbeiten?

 

Der Text ist eine Kurzfassung nach Welter-Enderlin, R., & Hildenbrand, B. (2004). Systemische Therapie als
Begegnung (4. erw. Aufl.). Stuttgart: Klett-Cotta. Kap. III: Therapeutisches Handeln in Lehre und Forschung (S.
221-236)

Gruppengrösse: Max. 21 Teilnehmende
Anmeldung bis: 2.8.2018
Kosten: CHF 1'160.-
Ort: Ausbildungsinstitut für systemische Therapie und Beratung Meilen, Stockerstrasse 45, 8002 Zürich
TeilnehmerInnen: Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, PsychologInnen in Psychotherapie-Weiterbildung