Systemische Selbsterfahrung: Familienrekonstruktion

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Daten

Sonntag 08.09.2019 Beginn um 13:00 Uhr
Montag 09.09.2019 ab 09:15 Uhr ev. Abendprogramm
Dienstag 10.09.2019 ab 09:15 Uhr ev. Abendprogramm
Mittwoch 11.09.2019

ab 09:15 Uhr, Abschluss um 13:00 Uhr

Dozentinnen

Charlotte Kläusler-Senn, MSSW, MA; Fachpsychologin für Psychotherapie FSP

Cornelia Schubert, Dipl. Psych.; Fachpsychologe für Psychotherapie FSP

Kurzbeschreibung

Welche Bedeutung hat die Biografiearbeit für die Entwicklung einer professionellen Haltung und für die Sicherung der Qualität des eigenen therapeutischen Handelns?

Thema systemischer Selbsterfahrung sind die eigenen Muster der Weltauffassung und Sinnstrukturierung, welche die gesamte Biografie, die über weite Strecken auch Familienbiografie ist, kennzeichnen. Die eigene Biografie ist geprägt von spezifischen Zeitverhältnissen, Generationenlagen und Soziallagen. In ihrem Verlauf wurden Wirklichkeitskonstruktionen entwickelt und tradiert, die für das alltägliche Handeln und Denken wie auch für die professionelle Arbeit mit Individuen, Paaren und Familien einen Rahmen bilden. Diesen Rahmen zu reflektieren, ihn
also auf die Ebene des Bewusstseins zu heben und so zu vermeiden, dass er unbefragt aus dem Hintergrund die fachliche Arbeit steuert, ist Aufgabe eines Prozesses, der mit der Biografiearbeit fachlich fundiert und befördert werden soll.

Wir sehen den Rahmen, den die eigene Geschichte für das aktuelle Handeln als Alltagsmensch und als Therapeut abgibt, vor allem unter dem Aspekt, dass in dieser Geschichte Ressourcen liegen für das Erkennen von Bewältigungsmöglichkeiten aktueller Probleme. Diese Ressourcen auf aktuelle Problemlagen von Klientinnen und Klienten unbefragt zu übertragen wäre jedoch unangemessen, weil die Kontexte von eigener Lebens- und Familiengeschichte und jene von Klientinnen und Klienten unterschiedliche sind. Die lebensgeschichtlichen Ressourcen haben den Status von Möglichkeiten und müssen einen Reflexionsprozess durchlaufen, um fruchtbar zu werden. Eben dazu dient die Arbeit an der eigenen Geschichte.

Die Arbeit an der eigenen Geschichte stellt aber in gewisser Weise auch eine Zumutung dar. Eine zentrale Leistung der Lebenspraxis besteht nämlich darin, dass sich der Alltag in einer Dialektik von unbefragtem Dahinleben und Krisenbewältigung ereignet. Situationen, in denen der Alltag fragwürdig wird, erzeugen in der Regel partiale Krisen beispielsweise im Bereich von Beruf, von Familie etc. Krisenbewältigung kann dann z.B. dadurch erfolgen, dass problematische Handlungsmuster aus dem Impliziten in das Explizite gehoben werden. Das bedeutet, dass Problemlösung durch Reflexivitätssteigerung herbeigeführt wird.

Auch in der Biografiearbeit werden individuelle Handlungsmuster, die routinemässig verfestigt sind und Orientierung im Alltag ermöglichen, im Kontext der spezifischen Familiengeschichte explizit gemacht. Jedoch ist der Anlass dafür keine Lebenskrise. Insofern stellt die Biografiearbeit eine Zumutung dar. Es wird ins Reflexive gewendet, was ansonsten unhinterfragt von statten geht.

Angesichts dieser «Zumutung» ist es wichtig, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unbefangen, das heisst ohne voreilige Einordnung in vertraute Schemata, eine präsentierte Geschichte anhören und dass sich die Geschichte ohne Zeitdruck entwickeln kann. Des weiteren ist wichtig, dass Brüche in der Lebens- bzw. Familiengeschichte genommen werden, wie sie sind, ohne dass gleich nach Lösungen gesucht wird.

Zum Ablauf

Sie erhalten von uns einen Leitfaden, anhand dessen Sie sich mit ihrer eigenen Geschichte und ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen. Ausserdem erstellen Sie vorab das eigene Genogramm. In den Kurstagen stellen alle Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer die Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit der eigenen Biografie ihrer Kleingruppe vor, wofür sie je einen halben Tag zur Verfügung haben. Die Arbeit in den Kleingruppen beginnt mit einem Austausch der Erfahrungen mit dem Fragebogen, mit der Sammlung von Schwerpunkten und der anschliessenden Vorstellung der Ergebnisse der eigenen Biografiearbeit in der Kleingruppe. Diese Arbeit wird umso lebendiger, je mehr Material die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbereitet und damit die Anregungen im Fragebogen aufgenommen haben.

Besonders eindrücklich sind dabei die Schilderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Begegnungen mit und Fragen an Angehörige, welche neues Licht auf die Beziehungen zu ihnen geworfen haben. Während unser Fragebogen ein weites Spektrum an möglichen Themen abdeckt, ergeben sich in der Kurswoche folgende typische Themenschwerpunkte: Abhängigkeit und Autonomie; Entwicklung in der Familie und Dysfunktionalität von Familienmitgliedern; Kommunikation innerhalb der Familie; Grenzen innen und aussen; biografische Abbrüche in der Familie; Fluchttendenzen, fehlende Kontinuität, unreflektiertes Wiederholen von Familientraditionen und Familienmustern; Reproduktion von Familienthemen auf jeweils anderen Stufen.

Der Text ist eine Kurzfassung nach Welter-Enderlin, R., & Hildenbrand, B. (2004). Systemische Therapie als Begegnung (4. erw. Aufl.). Stuttgart: Klett-Cotta. Kap. III: Therapeutisches Handeln in Lehre und Forschung (S. 221-236)

Gruppengrösse: Max. 21 Teilnehmende
Anmeldung bis: 2.8.2019
Kosten: CHF 1'160.–
Ort: Ausbildungsinstitut für systemische Therapie und Beratung Meilen, Stockerstrasse 45, 8002 Zürich
TeilnehmerInnen: Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, PsychologInnen in Psychotherapie-Weiterbildung